Die Pläne zur Einführung eines digitalen Euros werden immer konkreter. Im Mai 2026 soll das Europäische Parlament über das Vorhaben abstimmen. Bis Ende des Jahres soll der europäische Gesetzgebungsprozess abgeschlossen sein. Der digitale Euro dürfte jedoch vor allem ein Prestigeprojekt europäischer Institutionen sein, dessen Nutzen nur schwer ersichtlich ist. Die Einführung des digitalen Euros hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit Wettbewerbsverzerrungen und Risiken für das Finanzsystem zur Folge. Zudem könnte sie zu einer sukzessiven Verdrängung des Bargelds führen, die diskret von den unterschiedlichen interessierten Seiten vorangetrieben wird. Entgegen der Hoffnung seiner Befürworter dürfte der digitale Euro zudem kaum dazu in der Lage sein, technologischen Fortschritt zu befördern oder die Rolle des Euros als globale Reservewährung zu stärken. Deshalb bedarf es eines ergebnisoffenen Prozesses ohne Zeitdruck, an dessen Ende auch die Entscheidung stehen kann, den digitalen Euro nicht einzuführen. Vielmehr sollten andere Optionen in den Entscheidungsprozess einbezogen werden: Neben der Möglichkeit, der EZB die Bereitstellung der digitalen Infrastruktur anzuvertrauen, sollten private Initiativen Vorrang bei der Entwicklung digitaler Zahlungsdienstleistungen erhalten. Denn eines scheint offensichtlich: Europas Rückstände und Abhängigkeiten bei digitalen Zahlungssystemen lassen sich nicht durch eine mehr oder weniger staatliche Digitalwährung beheben, sondern erfordern Vertrauen in marktwirtschaftliche Prozesse und Offenheit gegenüber privaten Innovationen.
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