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Nullzinsen in Europa


Reihe:
Tagungen 
Titel:
Nullzinsen in Europa 
Autor:
Zwischen Grenznutzen des Geldes und Nutzungsgrenzen der Geldpolitik 
Seiten:
12 
Dateigröße:
471 KB
ISSN:
 
Herausgeber:
Stiftung Marktwirtschaft
Erscheinungsort, -jahr:
Berlin, 2017 
Download:
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Steht Europa eine geldpolitische Wende bevor? Ist die Ära der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bald zu Ende? Diesen und weiteren Fragen ist man im Rahmen eines Expertengesprächs der Stiftung Marktwirtschaft auf Gut Kaden am 10. Februar 2017 nachgegangen. In dem von der Wochenzeitung Die-ZEIT-Herausgeber Josef Joffe Ph.D. moderierten Gespräch diskutierten EZB-Direktoriums-Mitglied Yves Mersch, Sachverständigenrats- und Kronberger Kreis-Mitglied Prof. Volker Wieland, Ph. D., sowie führende Vertreter aus Wissenschaft und Politik.

Yves Mersch warnte gleich zu Beginn vor voreiligen Urteilen über die Maßnahmen der EZB, die als Reaktion auf den dauerhaften Rückgang des Leitzinssatzes erfolgten, um bei fallenden Inflationsraten keine höheren Realzinsen hervorzurufen. Die daraus resultierende gestiegene Kreditvergabe habe zur wirtschaftlichen Erholung im Euroraum beigetragen. Dennoch seien die Maßnahmen nur temporär vorgesehen. Er forderte ein „Hand-in-Hand“ von den nationalen Regierungen und der Geldpolitik der EZB, um die wiedergewonnene wirtschaftliche Erholung auch langfristig zu erhalten.

Parallel dazu plädierte Wieland dafür, die Kritik an der Niedrigzinspolitik zu hinterfragen – diese aber als Anreiz für ein geldpolitisches Umsteuern aufzufassen, um so den steigenden Risiken einer neuen Finanzkrise entgegenzuwirken. Kritisch wurden die Nullzinsen auch hinsichtlich der Belastung und Unsicherheit für Sparer sowie der Anpassungen in Versicherungssystemen bewertet.

Seitens der Politik wurden sowohl Probleme für finanzpolitische Maßnahmen des Staates als auch die drohende Gefahr von Demokratie-, Politik- und EU-Verdrossenheit in der Gesellschaft als Folgewirkung insgesamt thematisiert. Auch der Investitions- und Reformstau der Regierung wurde bemängelt. Letztere habe die Zeit, die durch die Niedrigzinspolitik der EZB eingeräumt wurde, nicht für sinnvolle Reformen genutzt.

Die überwiegend deutsche Kritik am Handeln der EZB wurde als nationaler Einzelfall konstatiert. Sie verkenne, so der internationale Tenor, das EZB-Mandat der Preisniveaustabilität. Man könnte und sollte allerdings über alternative Möglichkeiten (flexibleres Inflationsziel, duales Mandat von Preisniveaustabilität und Beschäftigung) einen wissenschaftlichen Diskurs führen. Auch Alternativen zum gegenwärtigen Geldsystem, wie z.B. der Chicago-Plan, wurden angesichts der fortschreitenden Revolution im elektronischen Zahlungsverkehr diskutiert. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse liegt nun als Tagungsbericht vor.