10. Oktober 2022

Kronberger Kreis fordert Reform der Krankenhausversorgung

Um den Mitteleinsatz in der Krankenhausversorgung in Deutschland zu verbessern sowie die Resilienz und Agilität des Systems zu erhöhen, fordert der wissenschaftliche Beirat der Stiftung Marktwirtschaft eine Zentralisierung der Krankenhausplanung, eine monistische Krankenhausfinanzierung sowie eine Stärkung des Krankenhauswettbewerbs.

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„Die Tatsache, dass die Krankenhausversorgung in Deutschland den enormen Belastungen in der Corona-Pandemie im internationalen Vergleich relativ gut standgehalten hat, ist leider nicht auf eine vorausschauende Planung und ein effizientes Versorgungssystem zurückzuführen. Stattdessen ist die Krankenhausversorgung hierzulande hochgradig reformbedürftig“, betont Prof. Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld. Der Sprecher des Kronberger Kreises führt aus, dass insbesondere institutionelle Fehlanreize in den Bereichen Krankenhausplanung, -finanzierung und -wettbewerb dazu geführt hätten, dass zu viele Krankenhausbetten vorgehalten würden, es zu viele kleine Krankenhäuser gäbe und die Krankenhausinvestitionen zu gering seien. Gewisse Überkapazitäten trügen zwar zu einer stärkeren Krisenresilienz bei, deren Planung sollte aber im Rahmen grenzüberschreitender Vereinbarungen auf europäischer Ebene erfolgen.

„In der bisherigen Krankenhausversorgung fehlt es an einer funktionsfähigen Abstimmung zwischen Regulierung und Wettbewerb“, hebt Prof. Dr. Heike Schweitzer hervor. Die Krankenhausplanung sollte sich daher in Zukunft strikt darauf beschränken, die Eckpfeiler einer Mindest- (und womöglich einer Höchst-)versorgung festzulegen. Unter Berücksichtigung lokaler Besonderheiten sollte dies idealerweise auf Bundesebene geschehen, fordert der Kronberger Kreis. „Über die Ausgestaltung der Krankenhausversorgung im Übrigen sollte der Wettbewerb entscheiden – vor allem dort, wo keine Versorgungslücken auftreten“, betont Schweitzer.

Auch die dezentrale und zugleich duale Finanzierung der Krankenhäuser trage entscheidend zur Fehlversorgung bei, wie Prof. Dr. Berthold Wigger ausführt: „Da die Länder ihrer Verantwortung für die Finanzierung der Krankenhausinvestitionen nur unzureichend nachkommen, versuchen die Krankenhäuser mit zusätzlichen Fallzahlen Deckungsbeiträge für die Finanzierung von Investitionen zu generieren. Das löst starke Anreize aus, viele Krankenhausbetten vorzuhalten und zugleich die Kosten der Pflege am Bett möglichst gering zu halten. Im Ergebnis werden nicht nur zu viele Betten vorgehalten, sondern diese auch belegt und in der Pflege tendenziell unterversorgt.“ Der Kronberger Kreis fordert, zu einer monistischen Finanzierung in der Krankenhausversorgung überzugehen, sodass Anreize verringert würden, mit zusätzlichen Behandlungsfällen Deckungsbeiträge für ansonsten unterfinanzierte Krankenhausinvestitionen zu erzielen.

Trotz der großen Unterschiede, die Gesundheitsdienstleistungen zu anderen Gütern aufwiesen, könne die Krankenhausversorgung durch mehr Wettbewerb verbessert werden. Mehr Preis- und Qualitätswettbewerb ließe sich gewährleisten, wenn Krankenkassen mehr Möglichkeiten hätten, die Krankenhauswahl ihrer Versicherten zu beeinflussen. In einem gewissen Rahmen sei dies durch Selektivverträge möglich, bei denen Krankenversicherungen ihren Versicherten Vorgaben machen, welche Krankenhäuser sie in Anspruch nehmen können, und so Patientenströme lenken. Zudem erläutert Prof. Dr. Justus Haucap: „Der Wettbewerb zwischen Krankenhäusern steigert nachweislich die Behandlungsqualität. Ein wichtiger Baustein zum Schutz dieses Wettbewerbs ist die Fusionskontrolle, die für Krankenhäuser den Anreiz zu Innovation, Investition und Behandlungsqualität erhält, da Patienten auf andere Krankenhäuser ausweichen können. Statt der gegenwärtigen partiellen Ausschaltung der Fusionskontrolle im Krankenhaussektor, brauchen wir also eine stärkere Fusionskontrolle.“

 

 

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