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Staatsschuldenkrise in Europa nachhaltig angehen

Seit 2010 wurden mehr als eine Billion Euro Haftungsrisiken mittels Hilfskrediten, Anleihekäufen der EZB und Target-Salden aufgebaut. Allein für Griechenland stehen die europäischen Steuerzahler mit über 400 Milliarden Euro in Solidarhaftung. Solange Handlung und Haftung jedoch auseinanderfallen, wird Europa nicht zu der einst versprochenen Stabilitätsunion werden. Im derzeitigen Politikumfeld würde eine Fiskalunion bestehende Fehlanreize zur übermäßigen Staatsverschuldung nur verstärken.

Aufbauend auf dem Konzept „Maastricht 2.0" und ergänzt um neue Vorschläge wäre es daher zielführender, das Ausmaß der fiskalischen Solidarhaftung zu reduzieren, Eigenverantwortung und bestehende Regeln zu stärken und Marktverzerrungen zu beseitigen. Hierfür sollten u.a. eine Staateninsolvenzordnung, Pfandklauseln sowie nachrangige Anleihen für Staaten eingeführt werden, um das Projekt Europa wieder zukunftsfähig zu gestalten.

Europas Absturz: Von der Währungs- zur Transferunion

In der Europäischen Währungsunion sind (eigen-)verantwortlich handelnde Mitgliedstaaten und regeldurchsetzende europäische Instanzen selten geworden. Gemeinsam vereinbarte Regeln werden wiederholt nicht eingehalten, Reformversprechen und andere Zusagen gebrochen und Sanktionsandrohungen nicht konsequent weiterverfolgt. Insbesondere die nicht enden wollende Odyssee der vermeintlichen Griechenland-„Rettung“, deren Ausgang nach wie vor ungewiss ist, hat dabei enorme Haftungsrisiken für die übrigen Mitgliedstaaten aufgebaut. Die Währungsunion droht schleichend zu einer permanenten Schuldengemeinschaft und Transferunion zu werden.

Wie auf die Krise im Euroraum reagiert werden sollte, damit Europa wieder eine gefestigte Stabilitätsunion wird, lesen Sie in der Publikation "Von der Währungs- zur Transferunion" von Dr. Jörg König.

Tagung "Eine Stabilitäts- und Wachstumsunion?"

Angesichts der fortwährenden Staatsschuldenkrise in Europa und der aufgezeigten Konstruktionsschwächen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion haben die Allianz SE, die Stiftung Marktwirtschaft und die Europäische Kommission am 3. November 2015 nach Berlin eingeladen, um über die Zukunft der Eurozone zu diskutieren und darüber hinaus zu klären, welche Schritte zu einer funktionierenden Stabilitäts- und Wachstumsunion führen können.

Valdis Dombrovskis, Vizepräsident der Europäischen Kommission für Euro und Sozialen Dialog, sowie der italienische Wirtschafts- und Finanzminister, Pier Carlo Padoan, hielten die einführenden Reden. Die Podiumsdiskussionen fanden u.a. mit Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, Prof. Dr. Jürgen Stark, ehemaliger Chefvolkswirt der EZB und Prof. Dr. Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz SE sowie weiteren Experten aus Deutschland und Europa statt.

Lesen Sie hierzu auch unseren Tagungsbericht.

Details zur Veranstaltung.

Europäische Integration: Potenziale des EU-Binnenmarktes

Das Fundament der europäischen Integration stellt der gemeinsame EU-Binnenmarkt dar. Hier können sich über 500 Millionen Europäer über nationale Grenzen hinweg frei bewegen und ihre Geschäftstätigkeiten ausüben. Der Binnenmarkt eröffnet nicht nur weitere Absatzmöglichkeiten und erhöht die Angebotsvielfalt, sondern erzielt durch mehr Wettbewerb auch höhere Produkteffizienz und günstigere Preise. Mehr als 20 Jahre Erfahrung zeigen, dass ein großer freiheitlicher Markt mit einem funktionierenden Ordnungsrahmen insgesamt zu mehr Beschäftigung, Innovation, Wachstum und Wohlstand führt.

Die Potenziale des EU-Binnenmarktes sind aber nach wie vor nicht voll ausgeschöpft und weitere Liberalisierungsbemühungen müssen unternommen werden, wie dieser Beitrag, erschienen in den Wirtschaftspolitischen Blättern der Wirtschaftskammer Österreich, von Dr. Jörg König zeigt:

Potenziale des EU-Binnenmarkts

EU-Integrationsindex

Griechenlandkrise

Im endlos scheinenden Griechenlanddrama steht die vorläufige Rechnung für den Steuerzahler fest: Mehr als 100 Milliarden Euro könnten es werden, die die Griechenland-„Rettung“ allein Deutschland kosten wird. Drei weitere Jahre werden mit abermaligen Hilfszahlungen und gestreckten Krediten teuer erkauft. Eine finanzielle Beteiligung des Internationalen Währungsfonds (IWF), eigentlich eine zentrale Vorbedingung für die Hilfszusagen, ist nach wie vor ungewiss.

Die Vertrauensgrundlage für ein drittes Hilfspaket hatte sich die griechische Regierung eigentlich selbst entzogen, zeigt der Beitrag "Die Quittung der Griechenlandrettung" von Dr. Jörg König.


Ein Austritt Griechenlands aus dem Euroraum (Grexit) würde zudem weder den Euro noch Europa gefährden, argumentiert der Kronberger Kreis in seiner Pressemitteilung vom 8. Juli 2015.

Lesen Sie hierzu auch die Pressemitteilung der Stiftung Marktwirtschaft vom 16. Juli 2015.


Wie ein Ausweg aus der Krise gelingen kann, zeigen das Argument "Von der Währungs- zur Transferunion" sowie die Kurzinformation "Staatsschuldenkrise in Europa nachhaltig angehen".

Europäische Bankenunion

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Seit dem Ausbruch der Finanzkrise und den Rettungsaktionen kriselnder Banken und Staaten wird versucht, das international stark vernetzte Finanzsystem stabiler zu machen. Die krisenverstärkende Wirkung der wechselseitigen Abhängigkeit zwischen Banken und Staaten hat deutlich gemacht, dass eine stärkere Regulierung und Aufsicht für international agierende Finanzinstitute notwendig ist. Vor diesem Hintergrund erscheint die Errichtung der Europäischen Bankenunion ein wichtiger Schritt hin zu mehr Stabilität in Europa. Doch kann die Bankenunion die gesetzten Ziele erreichen?

Der Kronberger Kreis stellt in seiner Studie "Europäische Bankenunion: Vom Prinzip Hoffnung zum Prinzip Haftung" sein Konzept für eine erfolgreiche Bankenunion vor und plädiert für eine weitreichende Stärkung des Haftungsprinzips.

Pressemitteilung: "Kronberger Kreis fordert mehr private Haftung bei der Bankenunion"

EU Finanzen

Die Krise auf den Finanzmärkten hat eine weltweite Wirtschafts- und Schuldenkrise ausgelöst, deren Auswirkungen noch jahrelang zu spüren sein werden. Doch diese Bedrohungen sollten als Chancen genutzt werden, um die Strukturen der Europäischen Union wie auch die Regulierung der Finanzmärkte zu überprüfen und zu verbessern. Das Ziel muss sein, dass die Politik klare Regeln setzt, innerhalb deren Markt und Wettbewerb wirken können. Risiko und Haftung müssen wieder zusammengehören. Europäische Solidarität muss mit finanzpolitischer Solidität zusammengeführt werden. Nur so können die Vorteile der Europäischen Währungsunion bewahrt werden. Nur so kann sich Europa vor künftigen Krisen schützen und im internationalen Wettbewerb bestehen.


Die Stiftung Marktwirtschaft und der Kronberger Kreis fordern deshalb

  • die Einführung einer Insolvenzordnung für EU-Mitgliedsländer,

  • die Weiterentwicklung der Schuldenbremse für Bund und Länder,

  • die Reformierung der Finanzmarktregulierung im Sinne höherer Eigenkapitalanforderungen,

  • die Einstellung des Ankaufs von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB),

  • die Konzentration der EZB auf ihre Aufgabe der Sicherung der Geldwertstabilität.

EU-Schuldenkrise

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Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion steht am Scheideweg. Einige Mitgliedstaaten leiden unter Verschuldung und hohen Kapitalmarktzinsen. Der strukturelle Reformbedarf ist enorm. Zu Beginn der Krise noch undenkbar, fordern manche eine Fiskalunion mit vergemeinschafteter Staatsverschuldung, während andere die einzige Lösung in einer Aufsplittung oder gar Auflösung der Währungsunion sehen.

Der Kronberger Kreis stellt in seiner Studie "Wie viel Koordinierung braucht Europa?" (2012) sein Konzept für eine erfolgreiche Zukunft der Europäischen Union vor und plädiert für eine national verantwortete Stabilitätsunion mit einer einvernehmlichen Festlegung auf unverrückbare fiskalpolitische Regeln.

Pressemitteilung vom 26.09.2012: "Kronberger Kreis fordert Maastricht 2.0 statt Fiskalunion"

Lesen Sie dazu auch:

  • die neuesten Ergebnisse unserer Generationenbilanz: Tatsächliche Staatsverschuldung in Europa im Vergleich (Argument Nr. 125)

  • das Positionspapier Nr. 2 von Prof. Dr. Lars P. Feld und Prof. Dr. Michael Eilfort zur EU-Schuldenkrise

  • unseren Tagungsbericht über die Kooperationsveranstaltung mit der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland am 27.10.2011: „Die europäische Schuldenkrise - Wege zur Lösung"

Eine hohe Staatsverschuldung geht mit einem hohen Anteil der Zinsausgaben an den Gesamtausgaben einher, verringert den Ausgabenspielraum für andere Politikbereiche und bedroht langfristig die Solvenz der Staaten. Eine nachhaltige Sanierung der Haushalte auf Ebene der EU, des Bundes und der Länder sollte am Abbau der strukturellen Defizite ansetzen. Denn nur eine erfolgreiche Konsolidierung schafft die Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaftswachstum. Der wissenschaftliche Beirat der Stiftung Marktwirtschaft — Kronberger Kreis — hat bereits 2010 in einer Studie die institutionellen Regelungen zur Verschuldung auf Ebene der EU, des Bundes und der Länder bewertet und einen Forderungskatalog für eine (auch) langfristig erfolgreiche Sanierung der öffentlichen Haushalte aufgestellt:

Studie des Kronberger Kreises Nr. 52: „Öffentliche Finanzen dauerhaft sanieren – in Deutschland und Europa“

Anhörung zum Europäischen Semester im Bundestag mit Michael Eilfort

Prof. Dr. Michael Eilfort ist am 17.04.2013 als Sachverständiger in der öffentlichen Anhörung des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union zum Thema „Europäisches Semester“ aufgetreten. Er bewertet das Verfahren für eine verbesserte wirtschaftspolitische Koordinierung insgesamt als positiv und bezeichnet es als „politische Umsetzungshilfe“ für einzelne Staaten. Eilfort begrüßt europäischen Druck auf nationale Regierungen bezüglich der Ziele Wachstum und nachhaltigem Haushalt. Jedoch wendet er sich gegen europäische Detailvorschriften zur nationalen Ausgestaltung der Wege der Mitgliedstaaten, diese Ziele zu erreichen.

Hier finden Sie die Stellungnahme der Stiftung zum Thema Europäisches Semester.


Ausschnitt der Anhörung mit Prof. Michael Eilfort

Flash ist Pflicht!

© Deutscher Bundestag

Die vollständige Videoaufzeichnung der öffentlichen Anhörung finden Sie auf der Seite des Deutschen Bundestages.

Geldpolitik

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Prof. Dr. Manfred J.M. Neumann warnt vor den Gefahren einer laxen Geldpolitik der EZB. Das langjährige Mitglied des Kronberger Kreises sieht mittelfristig ein gefährliches Inflationspotential, das die EZB durch den Ankauf von Staatsanleihen und die Gewährung von Jumbo-Krediten schafft: „Die europäische Geldpolitik darf nicht zur Finanzierung der nationalen Haushalte missbraucht werden.“ In seiner Analyse "Die Europäische Zentralbank auf Abwegen" (2012) zeigt Neumann auf, welche Korrekturen die EZB ergreifen sollte:

Pressemitteilung vom 14.03.2012: „Schluss mit dem Ankauf von Staatsanleihen und der Vergabe von Jumbo-Krediten“

Lesen Sie auch den Blogbeitrag von Manfred J.M. Neumann "Draghi auf De-Montage"

Finanzmarktregulierung

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Im Zuge der Finanzmarktkrise hat die Diskussion um Regulierungsdefizite an Fahrt gewonnen. Passiert ist jedoch wenig.

Der Kronberger Kreis legt 2011 mit seiner Studie „Systemstabilität für die Finanzmärkte“ ein marktwirtschaftlich fundiertes Gesamtkonzept der Finanzmarktregulierung vor und zeigt auf, wie langfristig Stabilität für die internationalen Finanzmärkte erzielt werden kann. Zu den Forderungen gehören eine Unterlegung von Staatsanleihen mit Eigenkapital der Banken und anspruchsvollere, über Basel III hinausgehende Eigenkapitalanforderungen.

Die Stiftung Marktwirtschaft lehnt die Einführung einer Finanztransaktionssteuer ab, weil diese künftige Finanzkrisen nicht verhindert:

Positionspapier zur Finanztransaktionssteuer.

Service

Ihr Ansprechpartner

Dr. Jörg König

Dr. Jörg König

Europa, Energie, Wettbewerb, Wachstum & Entwicklung, Kronberger Kreis

Tel.: +49 (0)30 / 206057-34

E-Mail: koenig(at)stiftung-marktwirtschaft.de

Publikationen

Das entgrenzte Mandat der EZB - Das OMT-Urteil des EuGH und seine Folgen

Kronberger Kreis-Studie Nr. 61


Von der Währungs- zur Transferunion

Argument Nr. 132


Ehrbare Staaten? Update 2014 - Die Nachhaltigkeit der öffentlichen Finanzen in Europa

Argument Nr. 130


Europäische Bankenunion: Vom Prinzip Hoffnung zum Prinzip Haftung

Kronberger Kreis-Studie Nr. 59


Eine Kreditpumpe für die Realwirtschaft

Blog-Beitrag von Prof. Wieland


Wie viel Koordinierung braucht Europa?

Kronberger Kreis-Studie Nr. 55

Veranstaltungen

Eine Stabilitäts- und Wachstumsunion?

(3. November 2015 in Berlin)

Details zur Veranstaltung


Europa: Wohin, wie weit und mit wem?

(8. Oktober 2013 in Berlin)

Details zur Veranstaltung

Tagunsbericht


Der Euro - Europas Schicksalsfrage?

(8. März 2013 auf Gut Kaden)

Details zur Veranstaltung

Tagungsbericht


Die europäische Schuldenkrise - Wege zur Lösung

(27. Oktober 2011 in Berlin)

Details zur Veranstaltung

Tagungsbericht